Cavaliersreise | Mackenzi Lee

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Originaltitel: The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue
Reihe: Band 1
Genre: historischer Roman
Übersetzer*in: Gesine Schröder
Verlag: Königskinder
ISBN: 978-3-551-56038-4
Preis: 19,99€
Erscheinungsdatum: März 2017
Format: Hardcover

Goodreads

Gab es je ein ab-schreckenderes Beispiel für junge Bildungsreisende als Sir Henry Montague? Nach Montys Cavaliersreise wird der englische Adel seine Sprösslinge bestimmt nie wieder auf den Kontinent schicken. Irgendwie ist er immer in eine Tändelei verwickelt. Oder betrunken. Oder zur falschen Zeit am falschen Ort. Nackt! Kein gutes Vorbild, weder für seine Schwester Felicity noch für seinen Jugendfreund Percy. Doch Monty will keinen Augenblick vergeuden, denn bald heißt es zurück zum gestrengen Herrn Vater und die Standespflichten wahrnehmen. Montys Unbesonnenheit aber bringt sie alle in unvorhergesehene Schwierigkeiten und bald sind Wegelagerer und Piraten sein geringstes Problem. Ganz zu schweigen von seiner unausgesprochenen und unerfüllten Liebe zu Percy.

Content Note:
Rassismus und die Verwendung des N-Wortes seitens rassistischer Charaktere, elterliche Gewalt, emotionaler Missbrauch, Queerantagonismus, Alkoholismus, Suizidgedanken

Zum Buch:
Vielleicht habt ihr das auch schon mal gehört: Leute behaupten, queere und Menschen of Color (und vermutlich besonders queere Menschen of Color) hätten nichts in historischen Romanen (bei Menschen of Color: die in Europa spielen) zu suchen, weil das nicht historisch akkurat sei. Weil … na, „solche“ Menschen waren damals noch nicht erfunden. Oder so. Hängt euch dieses angebliche Argument auch schon so zum Halse raus?

Mackenzi Lee vermutlich schon. „Cavaliersreise“ ist ein historischer Roman, der überraschenderweise nicht ahistorisch wird, nur weil er queere Charaktere und einen queeren Charakter of Color ins Zentrum stellt. Es wird sogar noch ein bisschen schlimmer! Die weibliche Hauptfigur will lieber studieren, als sich einen Ehemann auf die Nase binden zu lassen und verfolgt ihre feministischen Ziele. Und, dieser Spoiler sei mir verziehen, denn er wird euer Lesevergnügen keineswegs mindern: Sie werden glücklich.

Schon allein deswegen ist das Buch für mich etwas Besonderes und etwas besonders Schönes. Aber auch ansonsten weiß Lee zu überzeugen: Eine spannende Geschichte, dreidimensionale Charaktere und ein sensibler Umgang mit ihnen.

Zugegeben, nicht alles erfindet hier das Rad neu. Die Romanze zum Beispiel ist das typische Szenario von: sie stehen sehr offensichtlich aufeinander, gehen aber davon aus, dass der andere es nicht tut – das alles würde sich sehr schnell und einfach aufklären lassen, würden sie mal Klartext miteinander reden, was freilich (zunächst) nicht geschieht.
Ein Glück, dass es zwischen Monty und Percy ordentlich funkt und dem Mitfiebern kaum etwas im Wege steht.

Ich sage kaum, weil meine Content Notes nicht ohne Grund dastehen. Percy ist ein Schwarzer junger Mann und viele Menschen begegnen ihm mit Rassismus. Aufgrund seines Onkels und seiner Tante hat er gesellschaftlich eine relativ hohe Stellung inne, aber das heißt nicht, dass er sich in der Position befindet, sich dagegen zu wehren oder anderweitig dagegen vorzugehen. Monty hätte diese Stellung – nutzt sie aber nicht (richtig). Neben allem, was passiert und passiert ist, bringt Monty eine ganze Reihe Privilegien mit sich und diese zu hinterfragen und eine Sensibilisierungen für die Diskriminierung, die Percy und auch Montys Schwester Felicity als Frau wiederfährt, zu entwickeln – das ist ein Weg, den er zu Beginn der Geschichte noch beschreiten muss. Getan wird es aber und nicht nur von ihm.

Und so hat „Cavaliersreise“ zwei Seiten: auf der einen Geplänkel, Scherze und Zärtlichkeiten zwischen Percy und Monty, Montys unglaublich arrogante und umso amüsantere Art, Geschwisterstreitereien zwischen Monty und Felicity, die sich ja doch nicht so spinnefeind sind, wie sie meinen. Auf der anderen schwerere Themen: genannter Rassismus, Sexismus, Queerantagonismus seitens seiner eigenen Schwester, auch Epilepsie in einer Zeit, in der nicht einmal bekannt war, was genau es ist und noch einiges mehr. Mackenzi Lee hat es sehr gut miteinander verwoben und herausgekommen ist ein unterhaltsamer und spannender, nie aber trivialer oder respektloser Roman.

(Okay, am Ende wird’s doch ein bisschen ahistorisch, will ich meinen, aber das lag am Mini-Alchemieelement, das einen Hang zur Magie hatte. Just sayin‘.)

Glaubt mensch den Leuten, dann schien es gar unmöglich: Ein historischer Roman, der sich nicht nur um weiße, heterosexuelle Charaktere dreht? (Keine Sorge, die gibt’s hier auch.) Das funktioniert erstaunlich gut und resultiert in einer amüsanten, aber auch tiefgreifenden Geschichte, in der drei sehr unterschiedliche junge Menschen ihren eigenen Platz in der Welt suchen – und finden.

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Was ich bis zum Schreiben der Rezension nicht wusste: Es wird einen zweiten Band geben! Im Zentrum von The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy steht Felicity, Montys Schwester. Auch Monty und Percy werden hier – jedoch als Nebencharaktere – mit von der Partie sein; Felicity reist nun mit einem neuen Trio. Ich bin ja gespannt, ob und wo das Buch ins Deutsche übersetzt wird. Bei Königskinder wird das ja leider nicht klappen, aber vielleicht findet das Buch trotzdem bei Carlsen ein Zuhause.

Kurz vor Erscheinen des zweiten Bandes wird es auch eine Novella über Percy und Monty geben.

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2 thoughts on “Cavaliersreise | Mackenzi Lee

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