Die verflixten Fletcher Boys | Dana Alison Levy

balken_blau

Originaltitel: The Misadventures of the Family Fletcher, The Family Fletcher Takes Rock Island
Reihe: Die verflixten Fletcher Boys #1-2
Genre: Contemporary
Übersetzer*in: Anu Stohner (Band 1), Catrin Frischer (Band 2)
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16404-3, -16402-0
Preis: 14,99€
Erscheinungsdatum: März 2016, Mai 2017
Format: Hardcover

Goodreads

Chaos, Lärm und Wäscheberge sind bei den Fletchers an der Tagesordnung. Kein Wunder, bei vier adoptierten Jungs, von denen drei leidenschaftlich Fußball und Eishockey spielen. Ein aufregendes Schuljahr beginnt: Sam (12) entdeckt das Schultheater, aber kann er da als cooler Fußballer mitspielen? Jax (10) müsste für sein Projekt dringend den unfreundlichen Nachbarn interviewen, aber alle diplomatischen Bemühungen scheitern. Eli (10) hadert mit seiner neuen Eliteschule, während Frog (6) in der 1. Klasse gleich eine Freundin findet. Ob es diese Ladybird Li allerdings wirklich gibt, bezweifeln nicht nur Papa und Dad. Am Ende dieses turbulenten Jahres wissen alle sechs Fletchers mehr, vor allem, was für eine großartige Familie sie sind!

Content Note:
Unhinterfragtes Verwenden rassistischer Begriffe, (kritisiertes) rassistisches Verhalten weißer Charaktere, Sexismus

Zum Buch:
„Die verflixten Fletcher Boys“ waren eine absolute Zufallsentdeckung – so zufällig, dass ich mich nicht mal mehr erinnern kann, wo ich die Bücher gesehen hatte. Jedenfalls stand ich kurz darauf in der Buchhandlung, um sie mir zu kaufen. Hinter den Covern verstecken sich Geschichten, die ähnlich niedlich sind – allerdings auch nicht ohne Fehler.

Rein grundsätzlich sind die Fletchers eine witzige Truppe. Gerade die Kinder sorgen für viele Situationen, die für ihre Eltern sehr haarsträubend, für uns dafür umso unterhaltsamer sind. Geht auch nicht anders bei vier so quirligen Jungs. (Mit der Ausnahme von Eli, der ist etwas ruhiger. Frog gleicht das aber mehr als aus.) Einige Kapitel enthalten außerdem E-Mails von einem der Väter an seine Schwester, in denen er ihr seine Elternsorgen klagt – die habe ich besonders geliebt.
Aber viel mehr als der typische Spaß mit Kindern, die Schabernack treiben und in das eine oder andere Fettnäpfchen treten, und Eltern, die das Chaos zu sortieren versuchen, ist es trotzdem nicht.

Abgesehen davon versucht die Autorin, ein paar ernstere Themen mit einzubringen. In Band 2 z.B. taucht ein weiteres Kind auf, mit dem sich Jax anfreundet und das er anfangs für einen Jungen hält. Wie sich herausstellt, ist Alex ein Mädchen – fand ich klasse, endlich mal ein burschikoses Mädchen? Ich sehe sie viel zu selten, genauso wie Mädchen, die auch ganz einfach mit Jungs befreundet sein können. Leider kommt die große „Enthüllung“ dadurch, dass Alex ein Kleid anziehen soll, was Jax stutzen lässt, sowas sei ja komisch bei einem Jungen. Das wäre auch besser gegangen.

Ähnlich verhält es sich mit Gesprächen über Rassismus. Sowohl Frog als auch Jax sind Jungen auf Color, thematisiert wird es in der Regel aber an Jax, welcher ein Schwarzer Junge ist. Im ersten Band ist es auch noch nicht wirklich Thema, auch wenn ich mich sehr wundern musste, dass Sam (der weiß ist) seinen Freunden die (einmalige) Erlaubnis erteilt, durch Jax Haare zu wuscheln. Ich frage mich, ob das auch so gewesen wäre, wäre die Autorin nicht weiß. In der Hinsicht ist es dann aber nicht überraschend, dass sich das Buch weiterer No-Gos bedient: Die Begriffe „Rasse“ und „f*rbig“ werden (jeweils einmal) kritiklos übernommen – ich weiß jedoch nicht, ob es schlecht übersetzt oder von der Autorin auch schlecht geschrieben wurde. Da tröstet es wenig, dass das Buch zumindest Rassismus als genau das benennt und die Wichtigkeit betont, dass Schwarze Kinder weißer Eltern nicht nur weiße Bezugspersonen haben.

Und wenn dann noch ein Knirps angetanzt kommt und ohne Zweifel behaupten darf, dass selbst die besten Athletinnen es irgendwann nicht mehr mit Männern aufnehmen könnten, dann weiß ich so insgesamt wirklich nicht, ob sich das Lesen gelohnt hat.

„Die verflixten Fletcher Boys“ sind vier sehr unterhaltsame Jungs, deren Geschichte aber dank der Autorin (und/oder Übersetzung) nur sehr bedingt empfehlenswert ist. Rassistische Begriffe (auch „nur“ einmalig) haben kritiklos nichts in einem Buch zu suchen, ganz besonders nicht in einem Kinderbuch und erst recht nicht, wenn die Geschichte Rassismus thematisiert.

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2 thoughts on “Die verflixten Fletcher Boys | Dana Alison Levy

  1. Huhu!

    Es klingt wirklich so, als hätte sich manches besser lösen lassen! Zum Beispiel ist es ja erstmal durchaus realistisch, wenn ein kleiner Junge es komisch findet, dass ein anderer Junge ein Kleid tragen soll, aber da fehlt wohl die Rückmeldung anderer Charaktere, die das hinterfragen.

    Ich kenne nur wenige POC persönlich, aber die, die ich kenne, HASSEN es, wenn jemand einfach ihre Haare anfasst.

    Ich muss zugeben, dass ich im Deutschen immer noch manchmal in die „farbig“-Falle tappe, weil meine amerikanischen Freunde ja immer „person of color“ sagen – und mein innerer Übersetzer, wenn ich auf deutsch über das Thema rede, das übersetzen will mit „farbige Person“. Ich könnte mir vorstellen, dass das hier auch so passiert ist.

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka

    • Hallo Mikka!

      Gleichermaßen wäre es schön, wenn Bücher da gleich gegenwirken können, und Charaktere es mal nicht seltsam finden, wenn ein Junge ein Kleid trägt. Oder es endlich mal seltsam gefunden wird, weil ein Mädchen ein Kleid tragen soll, obwohl sie nicht will. (Ist leider beides nicht der Fall hier.) So hinterfragen die lesenden Kinder es vielleicht auch.

      Falls es bei der Umstellung hilft: Einst (bzw. teilweise immer noch) wurde ja auch im Englischen die direkte Übersetzung verwendet, aber es kommt aus einer rassistischen Tradition heraus, wie auch im Deutschen – daher Person of Color. Bei einem Buch, bei dem sich Autorin/Übersetzerin ausführlicher mit dem Thema auseinander setzen sollten/müssen, da erwarte ich wirklich Besseres. Das ist dann kein Fauxpas mehr, das darf einfach nicht passieren.

      Danke für die Verlinkung! :) Die Aktion klingt auch interessant, da klick ich mich gleich selber auch mal durch. :D

      Viele Grüße,
      Saskia

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