Glossar

Da an der einen oder anderen Stelle doch mal eine Nachfrage zu einem bestimmten Begriff kam, dachte ich mir, dass es doch keine schlechte Idee ist, ein Glossar anzufertigen. Vorab aber ein paar Anmerkungen:

  1. Das Glossar ist weder vollständig noch allgemein gültig. Einiges davon ist meine Sicht der Dinge (siehe Eintrag zum Unterstrich), weswegen es nicht immer eine definite Antwort gibt. (Daher auch keine Quellen, aber manchmal weiterführende Links. Die Antworten basieren auf den Definitionen, wie ich sie verwende und wie sie sich mir durch das Lesen verschiedenster Texte, Kommentare etc. erschlossen haben.)
  2. Ich habe es vorerst auf Begriffe beschränkt, die ich selber in Rezensionen benutzt habe oder benutzen könnte. Da ich hoffnungslos schusselig bin, kann es sein, dass ich mal vergesse, einen Begriff zu ergänzen, falls was dazukommt. Falls ihr also über einen Begriff stolpert, mit dem ihr nichts anfangen könnt und der auch im Glossar nicht erläutert wird, sagt Bescheid – dann ergänze ich ihn.
  3. Falls ihr bei einem Begriff meiner Interpretation/Darstellung widersprecht, die Information für falsch haltet etc., meldet euch! Entweder hier oder per Mail (siehe Impressum), wie ihr wollt. Ich selbst profitiere von vielen Privilegien, vor allem: Ich bin weiß, cis und trage lediglich eine Brille, welche ich aufgrund ihrer geringen Stärke nicht als Behinderung wahrnehme. Das soll heißen, dass ich in vielen Fällen keine Meinung durch eigene Erfahrung haben kann, und Meinungen anderer Menschen, die zu diesen Gruppen gehören, zählen mehr als meine.
  4. Ich versuche stets, cissexistische, ableistische, rassistische Sprache (und Handlungen) zu vermeiden, aber es gelingt mir nicht immer (gerade im Bereich Ableismus, denke ich). Dafür entschuldige ich mich. Sollte euch etwas Problematisches auffallen, bitte ich euch, mich darauf hinzuweisen, wenn es euch möglich ist. (Anonyme Kommentare sind möglich, es kann nur sein, dass sie nicht sofort erscheinen.) Ich gelobe Besserung.
  5. Ich habe versucht, alles kurz und knackig zu halten, was auch heißt, dass es recht oberflächlich ist. Jeder einzelne Begriff bietet Stoff für viele Diskussionen; aber das ist nicht im Sinne des Glossars.

Glossar

_, Unterstrich
Ich benutze in der Regel einen Unterstrich, also: Unternehmer_innen, der_die, welche_r, wobei ich stets die weibliche Form bevorzugen werde: Ärzt_innen statt Arzt_innen. (Neutrale Begriffe wie z.B. Charakter bleiben als solche bestehen.)
Anderswo findet ihr vielleicht auch die Verwendung eines Asterisks (*) oder eines Schrägstrichs (/). Ich habe mich für den Unterstrich entschieden, da er für mich am ehesten ein Spektrum wiedergibt, und daher z.B. auch intersexuelle Menschen einschließt; eben alle, die sich nicht im binären System Mann/Frau wiederfinden. Auch die Unterstrich-Darstellung ist zu eindimensional für die Gender-Thematik, aber im Moment erscheint es mir die geeignetste zu sein.

Ableismus, ableistisch
Eigentlich Englisch: ableism; einen geeigneten deutschen Begriff habe ich bisher nicht gefunden, daher die denglische Variante.
Ableismus beschreibt die Diskriminierung (physisch oder psychisch) behinderter Menschen , indem Menschen, die „abled“, also in keiner Weise eingeschränkt sind, als Norm gelten und das Leben generell nach ihnen ausgerichtet wird. (Siehe Bahnhaltestellen, die oftmals nicht ohne Probleme mit einem Rollstuhl befahren werden können; oder Menschen mit Sprachstörungen oder dergleichen, die sofort als „dumm“ verurteilt werden; Menschen, deren psychische Probleme als nichtig abgestempelt werden; etc.)
„Behinderung“ ist hier ein sehr weit gefasster Begriff (ich persönlich empfinde ihn als etwas eingeschränkter als „disability“) und beinhaltet also auch psychische Erkrankungen. Letzten Endes gilt aber: Ob ihr einen Zustand (der euch betrifft), als Behinderung wahrnehmt, hängt ganz von euch ab. Nicht jede Person würde z.B. die eigene Depression als Behinderung bezeichnen.

Asexualität, Aromantik
Eine Person, die sich zu keinem → Gender sexuell/romantisch hingezogen fühlt. Asexuelle Menschen verspüren also nicht das Bedürfnis, in sexuellen Kontakt mit anderen zu treten (auch wenn sie das aus verschiedenen Gründen durchaus tun). Aromantische Menschen fühlen sich romantisch nicht zu anderen hingezogen (was Zuneigung nicht ausschließt!), können sich aber z.B. sexuell zu einer Person hingezogen fühlen. So ist es vollkommen im Bereich des Normalen, z.B. aromantisch und heterosexuell zu sein. Oder heteroromantisch und asexuell, um zwei Beispiele zu nennen.
Teilweise dient es als Oberbegriff für weitere Sexualitäten: Demisexuelle/-romantische Menschen fühlen sich erst dann sexuell oder romantisch zu einer Person hingezogen, wenn sie eine Bindung zu ihr aufgebaut haben. Gray-asexuals (noch kein deutscher Begriff gefunden, pardon) spüren durchaus sexuelle Anziehung, aber nur selten oder schwach. (Wie immer lässt sich das auch auf romantische Anziehung übertragen.)
Weiterführende Links: The Asexual Agenda, Asexuality Archive, „A wie Asexualität“ bei geschlechtsneutral Ø und eine Übersicht über noch weitere Sexualitäten des asexuellen Spektrums

Binarität
Die Einteilung von Konzepten, Systemen usw. in zwei Teile, im Fall → Gender: Mann und Frau. Binärität schließt Identitäten, die zwischen oder außerhalb dieser Kategorien liegen, aus.

Bisexualität, Biromantik
Sexuelle und/oder romantische Anziehung zu zwei oder mehr → Gendern; das in verschiedener Stärke (es kann Präferenzen geben) und auch nicht immer zu jedem Zeitpunkt gleich. Das „bi“/“zwei“ bezieht sich dabei auf „Menschen des gleichen/eines ähnlichen Genders“ und „Menschen eines anderen Genders“. In manchen Fällen mag sich das lediglich auf „Mann“ und „Frau“ beziehen, trifft aber längst nicht auf alle bisexuellen/biromantischen Menschen zu. (Bisweilen können die Grenzen zur → Pansexualität fließend sein.)
Weiterführende Links: The Bisexual Index, bi.org.

Cis(gender)
Wenn das → Gender einer Person mit dem bei der Geburt festgelegten → Geschlecht übereinstimmt, ist diese Person cis.

cisnormative
Auch hier kein deutscher Begriff. Cisnormativität (übersetzen wir es mal so) beschreibt die Ausrichtung des allgemeinen gesellschaftlichen Lebens nach Menschen, die → cisgender sind, als Standard. Cisgender ist in dem Konzept das „Normale“, Menschen, die transgender sind, entsprechend die „Abweichung“.

Demisexualität
→ Asexualität

Fat Shaming
Die Abwertung von Menschen allein aufgrund der Tatsache, dass sie übergewichtig, oder teilweise auch einfach nur nicht „normal schlank“ sind.

Gender
Im Deutschen auch: das soziale Geschlecht. Gender kann vom → Geschlecht, das einem Menschen aufgrund körperlicher Merkmale zugewiesen/aufgezwungen wird, abweichen und wird je nach Kultur unterschiedlich verwirklicht. (So wie z.B. Frauenrollen je nach Kultur und Zeit anders aussehen.) Dabei gibt es nicht nur „Männer“ und „Frauen“, sondern zig verschiedene Möglichkeiten, die eigene Identität zu verwirklichen und zu bezeichnen. Dabei ist kein Mensch an das Geschlecht gebunden, soll heißen: Es gibt Frauen, die einen Penis haben und Männer, die eine Vagina haben – unter anderem.

genderfluid
→ Trans(gender)

Geschlecht
Das Geschlecht wird Menschen aufgrund gesellschaftlicher Normen bezüglich körperlicher Merkmale zugewiesen/aufgezwungen. In unserer Gesellschaft sind das „Mann“ oder „Frau“, obwohl diese Kategorien bei weitem nicht ausreichend sind, siehe → Intersexualität.

Gray-Asexuality
→ Asexualität

Heteronormativität
Die allgemeine gesellschaftliche Ausrichtung nach heterosexuellen Menschen/Paaren, oder auch: die Welt, in der wir leben. Beziehungen zwischen heterosexuellen Menschen werden gefördert und als Standard abgebildet, und sogar vorausgesetzt.

Heterosexualität, Heteroromantik
Sexuelle/romantische Anziehung zu Menschen eines anderen → Genders. (EINES anderen, nicht DES anderen. In einer Beziehung zwischen einer Frau und einer genderfluiden Person (z.B.!) können sich beide trotzdem als heterosexuell identifizieren.)

Homosexualität, Homoromantik
Sexuelle/romantische Anziehung zu Menschen des gleichen/eines ähnlichen → Genders.

Intersexualität
Manche Menschen werden mit Geschlechtsmerkmalen geboren, die nicht eindeutig als „männlich“ oder „weiblich“ kategorisiert werden können, oder aber von beiden Kategorien Merkmale aufweisen. Das kann ihre Chromosomen, ihre Hormone und/oder ihre Geschlechtsorgane betreffen.

LGBT, LGBTQIA+
Lesbian Gay Bi Trans, oder auch Lesbian Gay Bi Trans Queer/Questioning Intersex Asexual. Wahlweise auch ohne Plus oder mit Asterisk, manchmal mit anderer Reihenfolge und weiteren Buchstaben (oder anderen, der Sprache entsprechend). A steht nicht für „Ally“ („Verbündeter“)! Da das Akronym in dieser Hinsicht nicht selten misinterpretiert oder gar missbraucht wird, verbreitet sich unter anderem langsam → MOGAI an seiner statt.

MoC
→ PoC

MOGAI
„Marginalized Orientations, Gender Alignments and Intersex“, als neuer Oberbegriff für marginalisierte sexuelle und romantische Orientierungen, Gender und Intersexualität.

Pansexualität, Panromantik
Sexuelle/romantische Anziehung zu einem Menschen unabhängig von dessen → Gender; alle Gender können gleichermaßen (?) anziehend sein, es müssen aber nicht zwangsläufig alle sein. Die Grenzen zur → Bisexualität können fließend sein.

PoC
„Person of Color“, Plural: „People of Color“ als Oberbegriff für Menschen verschiedener Ethnien, die nicht weiß sind. (Ich entschuldige mich dafür, dass ich es über das Weißsein definiere; mir fiel bisher keine bessere Formulierung ein.) MoC steht für „Man/Men of Color“ und WoC für „Woman/Women of Color“.
Wird bisweilen kritisch betrachtet, da „of color“ wieder ein Zusatz ist, der das Weißsein als Standard voraussetzt. Die Bezeichnung ist auch nicht immer gerne gesehen, wie hier im Falle amerikanischer Ureinwohner/der First People: We are not „people of color“.

„Slut“ Shaming
Das Abwerten von Frauen, die ihre Sexualität frei ausleben, eventuell häufige Partner_innenwechsel haben, und das daraus resultierende Verhalten: Das kann mit Beleidigungen anfangen und mit Gewalt enden. Teilweise „reicht“ es schon aus, freizügige Kleidung zu tragen oder die Avancen eines Mannes abzulehnen, um „Slut“ Shaming zum Opfer zu fallen.
„Slut“ in Anführungsstrichen, da es einerseits keinen anderen, geeigneten Begriff (bisher) gibt, „slut“ selber aber eine Beledigung ist, die nicht gerechtfertigt ist.

Trans(gender)
In diesem Fall stimmt das → Gender einer Person nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenem → Geschlecht überein,  wie es gesellschaftlich erwartet wird. Transgender fungiert als Oberbegriff für sehr viele verschiedene Identitäten: Transsexualität, bei der sich Personen mit einem anderen Gender identifizieren, als ihr Geschlecht (gesellschaftlich!) vorgibt; eine operative und/oder hormonelle Anpassung kann stattfinden, muss aber nicht, da einzelne Körperteile nur durch gesellschaftliche Zwänge ein Gender vorgeben, letztlich aber nicht gender-bestimmend sind. Menschen, die genderfluid sind, also deren Empfinden ihres Genders und die jeweilige Präsentation je nach Situation wechselt. (Unter anderem.) Manchmal wird auch Drag dazugezählt und sogar Frauen, die sich sehr maskulin zeigen (aber als Frauen identifizieren) und dementsprechend Männer, die sich sehr feminin präsentieren … da hängt es wirklich davon ab, wen ihr fragt. (Am wichtigsten ist natürlich, wo sich die Person selbst einordnet.)
Hilfreiche Präsentation: (trans) GENDER 101 von The Gender Book.

Transsexualität
→ Trans(gender)

Triggerwarnung
Eine kurze Warnung vor Themen, die eventuell Panikattacken oder dergleichen bei Personen auslösen können, die ähnliche Traumata erlebt haben.

Victim Blaming
Die Schuld wird dem Opfer zugeschoben, so z.B. bei Vergewaltigungen oder auch „nur“ sexueller Belästigung, wenn Opfer gefragt werden, was sie getragen haben, ob sie betrunken waren, ob sie zunächst geflirtet haben, sich nicht richtig gewehrt haben etc (i.d.R. im Fall von Frauen als Opfer). All das statt die Täter zu fragen, warum sie die Tat begangen haben und sie dafür zu verurteilen.

WoC
→ PoC

2 thoughts on “Glossar

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